Im Jahre 1442 wurde die Gemeinde Böhlen erstmals urkundlich erwähnt.
Mit dem früh einsetzenden Bergbau wurde die Ansiedlung bekannt und interessant.
Schon Anfang des 16.Jhwurde nach Gold, Silber, Kupfer, Wismut und Blei gegraben,
dazu eigene Schmelzhütten eingerichtet, ein Alaun- und Vitriolwerk (Wallbrücke)
nahm seine Arbeit auf und es wurde sogar ein eigenes Bergamt eingerichtet.
Ursache für diese positive wirtschaftliche Entwicklung war neben einer
entsprechenden Ausbeute der Bergwerke wohl vor allem auch die Tatsache, daß
durch den Schwarzburger Grafen Heinrich XXXIV. allen Ansiedlern mit einer
Urkunde vom Jahre 1533 Privilegien eingeräumt wurden, wie sie anderswo
nicht zu finden waren: "Freies Bauholz zuWohnungen und Grubenbauten sowie
Brennholz, den Gewerken auf zwei Jahre freie Kohlen zumSchmelzen und Rösten
ferner einen Wochenmarkt und das Recht, frei zu mahlen, brauen, schenken,
backen und schlachten und Handwerk zu treiben,
endlich die Erlaubnis, im Flure Bären, Schweine, Rehe, Hasen und Federvieh
zu fangen und zu jagen und im Breitenbach zu fischen. "Es ist überliefert,
daß im Jahre 1615 in der Kurau eine Schwefelhütte oder ein Schwefelwerk
bestand, das aber später wieder einging. Besonders am Kirchberg und im
Böhlener Tal sind auch heute noch zahlreiche Spuren des ehemaligen Bergbaus
zu finden. Aber auch andere Gewerbe prägtenim Laufe der Jahrhunderte
das Wirtschaftsprofil der Gemeinde. So wurde der für dieKräutergarten-Region
typische Olitätenhandel auch in Böhlen ausgeübt. Darüber
hinaus verkauften Böhlener Fuhr- und Handelsleute auch andere Waren des
Waldes. So werden die Erzeugnisse der Böhlener Beil- und Waffenschmiederei
sowie der umfangreich betriebenen Weberei und der seltenen Holzdrahtweberei
wohl mit zu ihren wichtigsten Handelsartikeln gezählt haben. Besonders
die Weberei hatte über Jahrhunderte hinweg in Böhlen große
Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung des Ortes. Die Aufgabe
des Bergbaus im 19. Jh. wegen zu geringer Ausbeute und der Niedergang des
hochentwickelten Weberhandwerks im Ort durch die 1844 beginnende Industrialisierung
auch in diesem Bereich, (mechanische Webstühle) hatte für Böhlen
verheerendeFolgen. Denn mit dem Verlust dieser Erwerbsmöglichkeiten
setzte einegroße Verarmung in der Gemeinde ein. Diese führte zu
einer Auswanderungswelle, die größer war als in allen anderen Orten
des Lange-Berg-Gebietes.
Den traurigen Höhepunkt bildete die Aussiedlungsaktion vom 8. März 1852.
Ganze Familien, Frauen und Männer, Kinder und Alte wurden mit Fuhrwerke nach Weimar zur Bahn gebracht. Insgesamt 150 Böhlener mussten ihre Heimat verlassen, 13,6 % der Ortsbevölkerung! Ein spektakulärerer Vorgang. Alternativlos in das soziale "Aus" gedrängt und diffamiert als "Wilddiebe" und "loses Gesindel und Bettler", mussten diese Menschen ihr Böhlen, ihre Heimat verlassen.
In Hamburg angekommen, ging die Reise mit zwei Segelschiffen nach Rio de Janeiro.
Regional bekannt geworden ist dieses Ereignis als "Blutschande von Böhlen".
Bereits 1834 wanderten die ersten Böhlener
nach Nordamerika aus. Und von 1841 bis 1853 gingen
152 Personen nach Brasilien.
Im ganzen sind in jenem Jahrhundert bis zum Jahre 1862 über 200 Personen
nach Übersee ausgewandert, um Not und Armut zu entfliehen und dort ihr
Glück zu versuchen.
1858 wurde in Böhlen das ersteSperrholzwerk Deutschlands gegründet und dieses verhalf wieder zahlreichen Einwohnern zu Arbeit und Brot. Die sich damit entwickelnde Holzindustrie und das Tischlerhandwerk nahmenihren stärksten Aufschwung besonders seit Beginn des 20. Jh. Das Holzwerk war bis in die Gegenwart hinein größter Arbeitgeber im Ort. Für die weitere wirtschaftliche Entwicklung der Gemeinde war die im Jahre 1903 aufgenommene Produktion von Haushaltsthermometern von großer Bedeutung. Zu dieser Firma, die 40 Leuten Arbeit bot, gesellte sich im Jahre 1928 ein zweiter Betrieb, der Thermometerröhren herstellte. In diesem Produktionszweig konnten bis vor einigen Jahren eine Reihe von Böhlener Bürgern ihr Einkommen sichern. Aber auch seltene Gewerbe waren bis vor kurzem in Böhlen ansässig, wie das Beispiel des einzigen Sanduhrenherstellers Deutschlands zeigt.
Die wirtschaftliche Entwicklung der Gemeinde ist heute geprägt von der Kindermöbelproduktion und verschiedenen kleineren Handwerksbetrieben. Darüber hinaus setzt der Ort in den letztenJahren aber auch verstärkt auf den Tourismus. Dabei hat man insbesondere den Individualtourismus in der herrlichen Umgebung des Thüringer Schiefergebirges im Blick.Wandergruppen die gastlich aufgenommen werden, Familien oder Individualtouristen in der Hotelpension "Lärche", in Ferienwohnungen oder Privatquartieren.
Zum geselligen Verweilen im Ort laden typische Heimatfeste wie die Kirmes,
traditionelle Vereinsveranstaltungen wie der Karneval oder auch Sporteinrichtungen,
wie Kegelbahn und Turnhalle, ein. Besondere Angebote für den interessierten
Wanderfreund sind neben dem gut ausgeschilderten Wanderwegenetz geführte
Wanderungen sowie Ganztagsausflüge zu Sehenswürdigkeiten und kulturhistorischen
Stätten der näheren und weiteren Umgebung. In Böhlen kann man
aber für den Kulturfreund auch mit einer weiteren Besonderheit aufwarten;
(denn alljährlich findet im Ort, gefördert durch den Freistaat
Thüringen) die Thüringische Sommerakademie für Kunst und Musik
statt, die sowohl vor allem jungen Künstlern Möglichkeiten zum kreativen
Schaffen als auch den Einheimischen und Gästen Möglichkeiten zur
Begegnung mit der Kunst in ländlicher Umgebung gibt.
Daß die Gemeinde Böhlen seit 1993anerkannter Förderschwerpunkt im Rahmen des Dorferneuerungsprogramm
des Landes ist, spiegelt sich auch bereits im Ortsbild mit der schön
gestalteten Brunnenanlage und deren Umfeld in Dorfmitte wieder. Weitere attraktive
Verweilpunkte und Einrichtungen sollen folgen und eine zunehmende Attraktivität
Böhlens auch als Ferienort beitragen.
Fremdenverkehrs-Information, Myliusstraße
6, 98701 Großbreitenbach, Germany, Tel.: + 49 36781 41750